Mittwoch, 16. September 2009

Nordostpassage befahrbar

Präsentation auf einer EnergiemesseDer seit 30 Jahren bestehende Trend zu einem stärkeren Rückzug des arktischen Meereises im Sommer ermöglichte nunmehr zwei Handelsschiffen erstmals die Befahrung der Nordostpassage, um Schwergut nach Sibirien zu bringen. Seit dem Rekordjahr 2007 befürchten Forscher, dass es nicht mehr lange dauert, bis der arktische Ozean eisfrei ist. Nach einer aktuellen Forschungsergebnissen erwärmt sich die Arktis zwei bis drei mal so schnell wie der Rest der Welt. Seit Mitte Juni befindet sich ein Forscherteam in der Arktis und untersucht den Einfluss des Klimawandels auf Gletscher und Eisschmelze. Seit einiger wird besonders aufmerksam der „Schmierfilm“ beobachtet, auf dem die Eisschilde Richtung Meer rutschen können. Offenbar ziehen sich mittlerweile geschmolzene Zonen weit in das grönländische Inlandeis hinein. Ein Instabilwerden der betroffenen Gletscher könnte das Nachrutschen enormer Massen von grönländischem Inlandeis zur Folge haben. Zudem könnte eine Gletscherschmelze von unten“ zehn- bis 20-mal stärker sein als die Schmelze, die durch die Erwärmung der Oberfläche verursacht wird.Schon 2020 könnte der arktische Ozean daher im Sommer eisfrei sein, befürchtet Peter Wadhams von der Universität Cambridge.

Arktis erwärmt sich schneller als der der Rest vom Planeten

Was durch die immer häufiger frei werdenden Nordost- und Nordwestpassagen und den Vergleich der Ausdehnung der arktischen Eisfläche der letzten zu den früheren Jahren offensichtlich ist und die Reedereien und die Erdöl- und Erdgassucher erfreut, ist dennoch das Ergebnis eines komplexen Wechselspiels vieler Faktoren. Derzeit müsste sich die Arktis eigentlich abkühlen, das sich die Erdbahn aufgrund eines natürlichen Zyklus weiter von der Sonne entfernt. Sie empfängt daher von ihr kontinuierlich weniger Strahlungsenergie. Dennoch kühlt sich die Arktis seit 100 Jahren nicht mehr weiter ab, sondern erwärmt sich im Gegenteil überdurchschnittlich stark. Damit wurde ein Trend unterbrochen, der vor seit rund 2.000 Jahren durch Eisbohrkerne belegt ist, aber schon weitaus länger besteht und auch noch hätte andauern müssen. Seit etwa 8.000 Jahren erhält die Arktis immer weniger Sonnenenergie im Sommer. Bis sich die Erde in 4.000 Jahren der Sonne wieder annähert, wird sich dies fortsetzen, so Geowissenschaftler des US-amerikanischen National Center for Atmospheric Research.
Die Arktis heizt sich dreimal so schnell auf wie der Rest des Planeten, obwohl sich die Erde derzeit im Durchschnitt rund eine Million Kilometer weiter entfernt von unserem Zentralgestirn befindet als im Jahr null. Dies scheint darin begründet,
dass sich die Erwärmung über verschiedene Rückkopplungseffekte zusätzlich selbst verstärkt: Weniger Schnee und Meereis sorgen dafür, dass mehr dunkler Boden beziehungsweise Ozean zum Vorschein kommen. Sie reflektieren somit weniger Sonnenstrahlung ins All und speichern diese stattdessen als Wärmeenergie, was das Abtauen und den Temperaturanstieg zunehmend beschleunigen.

Frachter durchqueren Nordostpassage und erreichen Hafen im Ob-Delta

Die Wirkung dieser Wechselwirkungen können nun immer häufiger Forscher und Seeleute hautnah erleben, die nicht auf einem Eisbrecher unterwegs sind. Im letzten Jahr durchfuhr das Forschungsschiff Polarstern erstmals die Nordwestpassage. Nunmehr ist die Weltpremiere geglückt und auch die Nordostpassage ist durch zwei Handelsschiffe durchfahren worden. Wie die Bremer Projekt- und Schwergutreederei Beluga Shipping GmbH mitteilt haben die beiden Mehrzweck-Schwergutfrachter MS „Beluga Fraternity“ und MS „Beluga Foresight“ ihr Ziel in Sibirien sicher erreicht. Binnen weniger Stunden ankerten am Montag, 07. September 2009 die mit schweren Kraftwerksmodulen beladenen Schiffe in Novyy Port / Yamburg im Delta des Flusses Ob. Damit ist es der Bremer Projekt- und Schwergutreederei Beluga Shipping GmbH erstmals gelungen, zwei Handelsschiffe durch die lange Zeit undurchdringbare Nordostpassage von Asien nach Europa fahren zu lassen.

Das MS „Beluga Fraternity“ war am 23. Juli, das Schwesterschiff MS „Beluga Foresight“ fünf Tage später aus Ulsan, Südkorea, in See gestochen, um über die Kontrollstelle in Wladiwostok in den so genannten Nördlichen Seeweg einzufahren und die Projektladung so weit in das Zielgebiet hinein zu transportieren, wie dieses zuvor keinem anderen Handelsschiff möglich gewesen ist. Nun werden die insgesamt 44 Ladungsteile mit Einzelgewichten von 200 Tonnen und mehr mit dem bordeigenen Krangeschirr offshore auf Bargen umgeladen und nach Surgut befördert. Im Anschluss werden beide Schiffe via Murmansk nach Europa reisen, um in Rotterdam die je noch an Bord befindlichen 3.500 Frachttonnen Konstruktionsteile sowie Kisten und Kästen sicher abzuliefern, teilt die Reederei in Ihrer Pressemitteilung mit.

Arktis reagiert am empfindlichsten auf den Klimawandel

So erfreulich einerseits die ernorme Energieensparung ist, die künftig durch diese kürzeren Seewege erreicht werden kann, so unerfreulich sind die Auswirkungen der globalen Erwärmung auf die Natur, die bereits heute Wissenschaftler zwischen Alaska und Spitzbergen deutlich feststellen können. Die Auswirkungen des Klimawandels auf die unterschiedlichsten Arten festgestellt an Pflanzen, Insekten, Vögel und Säugetiere wurden vor kurzem von ein internationales Forscherteam dokumentiert. Und die Veränderungen scheinen schneller und umfassender zu sein, als erwartet. "Die Arktis, wie wir sie kennen, könnte bald der Vergangenheit angehören", sagt der amerikanische Biologe Eric Post von der Pennsylvania State University der über das arktische Ökosystem forscht.

Montag, 17. August 2009

Energie Zukunft. Effizienz und erneuerbare Energien im Wärmesektor

Das heimische Unternehmen Viessmann setzt seinen Weg fort, sich auf das Nachölzeitalter vorzubereiten. Im März präsentierte die Viessmann Gruppe in Frankfurt am Main ein neues Buch mit dem Titel „Energie Zukunft. Effizienz und erneuerbare Energien im Wärmesektor“, zur ISH 2009, der Weltleitmesse für Gebäude-, Energie- und Klimatechnik sowie erneuerbare Energien, Autor ist Jürgen Petermann, langjähriger Leiter des Ressorts Wissenschaft und Technik beim Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Zu den Ko-Autoren zählen fachkundige Journalisten und prominente Wissenschaftler, darunter die Professoren Hans Joachim Schellnhuber (Potsdam Institut für Klimafolgenforschung, PIK), Eberhard Jochem (Fraunhofer Institut für System- und Innovationsforschung, ISI) und Claudia Kemfert (Deutsches Institut für Wirtschaftsforschung, DIW) sowie Stephan Kohler, Vorsitzender der Geschäftsführung der Deutschen Energie-Agentur (dena).

Klimaschutz und nachhaltige, bezahlbare Energieversorgung verbinden
Wie lassen sich wirksamer Klimaschutz und die Sicherung einer nachhaltigen, bezahlbaren Energieversorgung miteinander verbinden? Welche Chancen bietet speziell der Wärmemarkt, die Energieeffizienz zu steigern? Wie lässt sich der Anteil erneuerbarer Energien weiter voranbringen? „Energie Zukunft“ liefert Fakten und Einsichten zur Energiedebatte und zeigt Wege auf, wie sich brachliegende Effizienzreserven durch den Einsatz moderner Heiztechnik mobilisieren lassen.

Leitfaden moderner Heiztechnik
Mit dem für eine breite Öffentlichkeit geschriebenen, mit zahlreichen aufwendigen Infografiken ausgestatteten Buch leistet das Unternehmen Viessmann seinen Beitrag, um Informationsdefizite bei Bauherren und Betreibern von Heizungsanlagen abzubauen und so den Modernisierungsstau im Wärmemarkt aufzulösen. „Energie Zukunft“, ein Leitfaden moderner Heiztechnik, verdeutlicht Zusammenhänge und liefert klare Antworten, die dem Verbraucher helfen können, bei seinen Planungen für eine energieeffiziente Haus- und Gebäudeheizung die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Mit dem Autor Jürgen Petermann konnte Viessmann eine ausgewiesenen Experten für diese Thematik gewinnen. Er ist Herausgeber des Buches „Sichere Energie im 21. Jahrhundert“, das in aktualisierter 2. Auflage 2008 beim Verlag Hoffmann und Campe erschienen ist und war
von 1963 bis 2001 Leiter des Ressorts Wissenschaft und Technik beim Nachrichtenmagazin „Der Spiegel“. Pettermann lebt und arbeitet als freier Journalist in Hamburg.

Donnerstag, 30. Juli 2009

Klimawandel gefährdet Atomstrom-Produktion

Wie das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung in seinem Energiemarktbarometer mitteilt, wird im Zuge des Klimawandels in Zukunft mit zunehmenden Kraftwerksausfällen in Europa zu rechnen sein. Insbesondere wird es nach Meinung der befragten Experten viel häufiger als heute zu vorübergehenden Ausfällen bei der Produktion von Strom aus Kernenergie kommen. Der weitere Ausbau der erneuerbarer Energien wird vom allergrößten Teil der Fachleute für eine geeignete Gegenmaßnahme gehalten.
Aufgrund der globalen Erwärmung, die auch hierzulande für Hitze- und Trockenperioden in den Sommermonaten sorgt, werden insbesondere Atommeiler häufiger ihre Stromerzeugung drosseln müssen. Ob die Produktionsausfälle eine Gefahr für die Versorgungssicherheit darstellen, ist bisher nicht eindeutig zu beantworten. Zu diesem Ergebnis kommt eine Umfrage unter rund 200 Energiemarktexperten aus Wissenschaft und Praxis, die das Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Rahmen des ZEW Energiemarktbarometers halbjährlich durchführt.

Aufgeheizte Flüssen fallen häufiger als Kühlwasserquelle aus
30 Prozent der befragten Experten gehen davon aus, dass es in Europa aufgrund des Klimawandels in den nächsten 30 bis 40 Jahren viel häufiger als heute zu vorübergehenden Ausfällen bei der Produktion von Atomstrom kommen wird. Dies liegt insbesondere daran, dass Kühlwasser, das zur nuklearen Energiegewinnung zwingend notwendig ist, üblicherweise aus Flüssen gespeist wird. Heizen sich die Flüsse wie beispielsweise im Jahr 2003 in Folge anhaltender Hitze zu stark auf, so fallen sie als Kühlwasserreservoir aus. 44 Prozent der Umfrageteilnehmer erwarten, dass die hitzebedingten Leistungsrückgänge von Kernkraftwerken in den kommenden Jahren etwas häufiger als heute auftreten werden. Dass die globale Erwärmung keine negativen Auswirkungen auf die nukleare Energieproduktion in Europa haben wird, prognostizieren dagegen 26 Prozent.
Nicht einig sind sich die Experten allerdings, wie sich die zunehmenden Ausfälle in Atomkraftwerken auf die Versorgungssicherheit für die Stromkunden auswirken. 51 Prozent der Umfrageteilnehmer gehen davon aus, dass die häufigeren Leistungsausfälle in Kernkraftwerken die Energieversorgung stärker als bisher gefährden. Demgegenüber sind 49 Prozent der Umfrageteilnehmer überzeugt, dass zunehmende Kernkraftwerksausfälle nicht zur Stromknappheit führen werden. Die unterschiedliche Einschätzung der Experten geht wahrscheinlich auf Unsicherheiten in der Entwicklung des Energiesektors zurück. Hierbei spielen der Zeitpunkt des Ausstiegs aus der Atomenergie, der Bau moderner Kraftwerke, der Ausbau regenerativer Energien sowie das Potential zukünftiger Energieeinsparungen eine Rolle.


80 Prozent der Experten für weiteren Ausbau der erneuerbarer Energien
Auch andere Energiequellen hängen vom klimabedingten Wasserstand in den Flüssen ab. Auch in Kohlekraftwerken wird Flusswasser zur Kühlung eingesetzt und in Wasserkraftwerken treibt es direkt die Turbinen zur Stromerzeugung an. Vor diesem Hintergrund rechnet die Mehrheit der befragten Experten auch für Kohle- und Wasserkraft mit vermehrten Kraftwerksausfällen, jedoch wird der Einfluss des Klimawandels etwas geringer eingeschätzt als für die Nuklearenergie: 57 Prozent, beziehungsweise 61 Prozent der Umfrageteilnehmer zeigen sich davon überzeugt, dass es in Europa häufiger als heute zu Ausfällen von Wasser-, beziehungsweise Kohlekraftwerken kommen wird. Mit 69 Prozent, beziehungsweise 64 Prozent ist die Mehrheit der Energiemarktexperten allerdings überzeugt, dass die Versorgungssicherheit der Stromkunden nicht stärker als bisher durch klimatisch bedingte Produktionsausfälle in Wasser-, beziehungsweise Kohlekraftwerken gefährdet ist.
Die Energieversorgung hängt in vielen europäischen Ländern stark von einem einzigen Energieträger ab. Frankreich beispielsweise setzt insbesondere auf Atomstrom, Österreich bezieht einen Großteil seines Stroms aus Wasserkraft und Deutschland nutzt weiterhin viel Kohlestrom. Außerdem verläuft die Integration der nationalen Strommärkte nur schleppend. Vor diesem Hintergrund zeigen die Ergebnisse des ZEW Energiemarktbarometers, dass die Strommärkte in Europa durch den Klimawandel unter verschärften Anpassungsdruck geraten könnten. Rund 80 Prozent der befragten Experten halten den weiteren Ausbau erneuerbarer Energien für eine geeignete Maßnahme, um diesem zu begegnen.


Pressemitteilung des ZEW vom 30. Juli 2009

Sonntag, 5. Juli 2009

Technischer und wirtschaftlicher Aufschwung durch Klimaschutz

Innovationen in den Umwelttechnologien und insbesondere in die Energiewende sind einer der wichtigsten Motoren für den wirtschaftlichen und technischen Fortschritt in Deutschland. Viele führende Unternehmen bauen derzeit diese Segmente aus und investieren verstärkt in die Forschung und Entwicklung. Damit kommen in der Wirtschaftskrise wichtige Impulse aus dem Bereich der grünen Technologien. Vor einer Woche hat beispielsweise der Chef der Eon-Ökostromsparte Climate & Renewables mitgeteilt, dass sein Unternehmen trotz hoher Risiken die Stromerzeugung aus Offshorewindkraft bis zum Jahr 2015 verdreißigfachen will. Beim milliardenschweren Ausbau erneuerbarer Energien in den nächsten Jahren habe Windkraft auf hoher See für den Konzern "strategische Priorität", sagt Frank Mastiaux in der Financial Times Deutschland. Auch in die Photovoltaik und Biogasanlagen wird in der Krise sowohl von den großen Energieversorgern, wie von Landwirten und Hausbesitzern weiter investiert. Und Unternehmen wie Siemens und General Electric, die die nötige Technologie hierfür entwickeln, die Stahlindustrie und viele mittelständische Zulieferer profitieren von dem krisenfesten Sektor.

Für General Electric gehört die Zukunft den Erneuerbaren Energien
Dieser Tage feierte das Forschungszentrum von General Electric (GE) in Garching bei München seinen fünften Jahresstag im größten und bedeutendsten Forschungsgelände von Deutschland.
Dort forschen, lehren und lernen rund 4.000 Beschäftigte und 8.500 Studenten an Instituten u.a. der Münchner Universitäten, der Max-Planck-Gesellschaft und der Bayerische Akademie der Wissenschaften. Besonders die Energieeffizienz sowie umweltfreundliche Lösungen sind für das Garchinger Zentrum, eines von weltweit vier Forschungszentren von GE, neben der Gesundheistsparte von großer Bedeutung. Es ist mit rund 150 Mitarbeitern Teil der Konzerninitiativen zur Entwicklung von Umwelttechnologien und Medizintechnik. Die grünen Technologien bezeichnet GE-Chef Jeffrey Immelt als "Champions unter den Schlüsseltechnologien" des 21. Jahrhunderts und will deren Umsatz in diesem Jahr auf 25 Mrd. Dollar von 17 Mrd. Dollar im Jahr 2008 steigern.
Für GE gehört die Zukunft den "erneuerbaren Energien", wie sie auf ihrer deutschen Webseite verkünden. Die Windkraft habe ihre Wirtschaftlichkeit bereits an zahlreichen Standorten bewiesen, sei diezurzeit wichtigste erneuerbare Energie und techisch ausgereift. Aber auch in anderen Bereichen ist GE aktiv. Mit einem slowenischen Energieunternehmen arbeiten sie an einem neuartigen System zur Nutzung von Abwärme in einem Biogas-Kraftwerk zusammen.


Nachhaltige Infrastrukurlösungen für grünere Städte
Mit diesem Thema präsentiert sich derzeit Siemens, in derem Hinterhof sich GE vor fünf Jahren nach eigener Aussage angesiedelt hat, auf seiner Webseite. Dort stellt Siemens Szenarien für verschiedene Metropolen vor u.a. für ein weitgehend CO2-freies München bis zum Jahr 2058. Siemens forscht in allen Energiesegmenten an mehr Effizienz und dem Ausbau der Erneuerbaren Energien. So erprobt Siemens Windturbinen ohne Getriebe oder wie Gaskraftwerke noch klimafreundlicher werden können. Nach Überzeugung des Global Players werden die Liberalisierung der Märkte und die Anstrengungen zur Reduzierung der Treibhausgase unsere Energielandschaft in den kommenden Jahren drastisch verändern und dabei vor allem zu einer Dezentralisierung der Stromerzeugung führen. In diesem Szenario werden für Siemens Brennstoffzellen eine bedeutende Rolle spielen.


Nordhessen streitet um die besten technischen Entwicklungen
Doch nicht nur im Süden Deutschlands auch in der Mitte gibt es ambitionierte Forschung. In Nordhessen arbeiten in einem Kompetenznetzwerk Dezentrale Energietechnologien eng Forschungsinstitute und mittelständische Unternehmen zusammen um für die Region eine Versorgung mit 100% Erneuerbaren Energien und damit mindestens 20.000 neue Arbeitsplätze bis zum Jahre 2020 im Bereich dezentrale Energietechnologien und Energieeffizienz zu schaffen.
Eines der renommiertesten Institute der Universität Kassel, das Institut für Solare Energieversorgungstechnik (ISET) wird im Laufe des Jahres in das am 1. Januar 2009 neu gegründete Fraunhofer-Institut für Windenergie und Energiesystemtechnik IWES eingegliedert. Damit ist zum einen eine besondere Anerkennung der wissenschaftlichen Erfolge, zum anderen neue attraktive Entwicklungsperspektiven in dieser ingenieurwissenschaftlichen Forschungsinstitution des Bundes verbunden. Zusätzlich wird ein deutlicher Ausbau des Forschungsschwerpunktes Erneuerbare Energien und Energieeffizienz an der Kasseler Universität erfolgen.


IHK-Präsident fordert konsequent fossile Energie einsparen
Alle führenden Unternehmen der Energiebranche sind Mitglied im Kompetenznetzwerk Dezentrale Energietechnologien und auch die nordhessische IHK sieht die Energiewende und den Klimaschutz als eine der wichtigsten Zukunftsaufgaben an. Auf dem Jahresempfang hat IHK-Präsident Dr. Marin Viessmann in seiner Rede die hessische Landesregierung für Ihre Nachhaltigsstrategie, für die amibitionierten Ziele für die Steigerung der Energieeffizienz und den Ausbau der Erneuerbare Energien gelobt. "Nordhessen ist auf dem Gebiet bereits eine Vorreiterregion, mit seinem Cluster 'Dezentrale Energietechnologien', mit einer Vielzahl marktführender Unternehmen in den Bereichen Eergieeffizienz und Eneuerbarer Energien und mit seiner hohen Kompetenz in Forschung und Lehre." Dr. Viessmann forderte: "Um unbeherrschbare Folgen des Klimawandels zu verhindern, müssen wir konsequent fossile Energie einsparen und den Ausstoß von Treibhausgasen drastisch verringern." Auch für einen Hersteller von Ölheizungen ist dies ein ambitioniertes Ziel. Er hat in seinem Unternehmen den Umbau begonnen, entwickelt neue technische Lösungen und unterstützt Forschung und Lehre.
Nicht nur die Region um München, auch Nordhessen will beim technischen und wirtschaftlichen Fortschritt durch Entwicklungen für den Klimaschutz die Nase vorn haben. Dieser Wettbewerb der Regionen um die besten Konzepte ist angesichts der aktuellen Krise nur zu begrüßen. So sah es auch der hessische Ministerpräsident. Neben der Verbesserung der Infrastruktur und Antworten auf den demografischen Wandel, ist der Beitrag zum Klimaschutz eine der zentralen Zukunftsaufgaben und in der Krise birgt diese eine Chance.

Donnerstag, 25. Juni 2009

Anpassungsstrategien an den Klimawandel entwickeln

Die Anpassung an die sich verändernden klimatischen Bedingungen stellt verschiedene Berufsgruppen vor gewichtige Herausforderungen. Besonders solche Fachleute, die mit langfristigen Planungen beschäftig sind, haben eine herausragende Verantwortung und beschäftigen sich schon seit vielen Jahren mit den Konsequenzen von zunehmender Trockenheit in den nördlichen und mit mehr Feuchtigkeit und Starkregen-Ereignissen in den südlichen Bundesländern. Für die Planung im Hochwasserschutz und die Kanalisation gibt es seit Jahrzehnten genaue Untersuchungen. Wetterextreme stellen aber auch Landwirte und Züchter oder Städteplaner vor große Aufgaben. Das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung hat jetzt acht Regionen aus den Bundesländern Hessen, Mecklenburg-Vorpommern, Brandenburg, Sachsen, Baden-Württemberg und Bayern ausgesucht, die an einem Modellprojekt „Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel“ teilnehmen.

Die Regionen und Städte müssen nach Überzeugung der beteiligten Fachleute des Forschungsvorhabens „Raumentwicklungsstrategien zum Klimawandel“ lernen, die Folgen des Klimawandels nicht nur zu mindern, sondern sich auf unvermeidbare Folgen vorzubereiten.

"Sommerliche Dürren mit Wasserknappheit und Waldbrandgefahren, Extremwetterereignisse mit Hochwasser- und Sturmschäden, Hitzewellen in den stark verdichteten Städten erhöhen den Anpassungsdruck für Mensch und Natur." Am 2./3. Juli 2009 wird in Berlin eine Fachkonferenz zudem Thema stattfinden bei denen Zwischenergebnisse zu den laufenden Forschungsvorhaben zur Diskussion gestellt werden. "Dies geschieht vor dem Hintergrund des am 1. April 2009 veröffentlichten Weißbuches der Europäischen Union und der Deutschen Anpassungsstrategie an den Klimawandel." Bei dieser Gelegenheit werden auch die Modellregionen des neuen MORO-Forschungsvorhabens präsentiert. Träger des Modellprojekts – das bis zum Frühjahr 2011 abgeschlossen sein wird – sind das BMVBS und das Bundesamt für Bauwesen und Raumordnung (BBR).

Die Verantwortlichen in den ausgewählten Regionen zeigten sich erfreut über die Entscheidung. In einer Pressemitteilung des Gießener Regierungspräsidium wurde das zum Ausdruck gebracht, als die Nachricht eintraf, dass Mittelhessen - zusammen mit der Region Südhessen und dem Ballungsraum Frankfurt/Rhein-Main - vom Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) für ein Modellvorhaben der Raumordnung (MORO) ausgewählt wurde. „Grundsätzlich geht es bei dem hessischen Projekt unter dem Motto ‚REFRAKLAN‘ (Regionalplanung in der Metropolregion Frankfurt/Rhein-Main – vom Klimaschutz zur Klimaanpassung) um die modellhafte Erprobung integrierter Handlungskonzepte zur Verbesserung der regionalen Widerstandsfähigkeit gegenüber Klimafolgen“, erläutert der Regierungspräsident.

Für die Modellregionen in Mecklenburg-Vorpommern und Brandenburg spielt die Problematik der Versteppung, die veränderten Anbaubedingungen und der Umbau in der Energieversorgung eine wichtige Rolle. Der stellvertretenden Fraktionsvorsitzende Katharina Reiche als Brandenburgerin die Herausforderung aufgrund der zunehmenden Trockenheit bewußt. Für sie ist auch die Agro-Gentechnik ein Mittel, mit speziell gezüchteten Sorten die Anpassung an den Klimawandel voranzutreiben. Deutsche Pflanzenzüchter investieren derzeit verstärkt in die Forschung und züchten für Landwirtschaft und Gartenbau neue Sorten, die auch unter schwierigen Klima- und Anbaubedingungen sichere Erträge bringen.

Übergreifend sind für alIe Regionen den Bereichen Hochwasserschutz, Siedlungsklima, Landwirtschaft aber auch im Arten- und Biotopschutz wesentliche Änderungen zu erwarten, für geeignete Anpassungsstrategien entwickelt werden müssen. Das Regierungspräsidium in Gießen will zuerst die Möglichkeiten der Regionalplanung und Regionalentwicklung im Sinne einer Stärkung und Erweiterung des raumordnerischen Instrumentariums zu überprüfen - beispielsweise durch entsprechende Festlegungen im Regionalplan. „Anschließend soll eine umsetzungsorientierte‚ regionale Klimaanpassungsstrategie‘ erarbeitet werden, in die neben der Regionalplanung auch andere Akteure wie Kommunen, Land- und Wasserwirtschaft sowie der Naturschutz einbezogen werden“, beschreibt der RP-Planungsexperte Dr. Ivo Gerhards die weiteren Arbeitsschritte. „Zum Beispiel wird geprüft, ob und welche Siedlungsbereiche in zunehmend durch Hochwasser oder andere Extremereignisse gefährdeten Gebieten liegen“, so Gerhards weiter. Wie unter Berücksichtigung eines erhöhten Wasserbedarfs und der Ressourcenschonung ein nachhaltiges Grundwassermanagement gewährleistet werden kann, wird ein ebenso bedeutsamer Schwerpunkt sein wie die Frage, mit welchen Maßnahmen sich regionstypische Arten und Biotope unter den Bedingungen des Klimawandels dauerhaft sichern und entwickeln lassen. „Wichtig ist es daneben zu prüfen, ob der Klimawandel auch Chancen für bestimmte Formen der landwirtschaftlichen Bewirtschaftung in der Modellregion bieten kann“, ergänzt die RP-Mitarbeiterin Simone Philippi. Ein weiterer Kernpunkt des umfangreichen Modellvorhabens wird es nicht zuletzt sein, Möglichkeiten auszuloten, mit denen Kommunen für eine derartige Klimaanpassungsstrategie sensibilisiert werden können.

Mittwoch, 10. Juni 2009

Kurswechsel in Frankreich hin zu Erneuerbaren Energien

Dämmerung über der Normandie, Dieter Schütz, pixelio.deIn Frankreich kündigt der Staatspräsident einen radikalen Wechsel in der Energiepolitik an: Die Erneuerbaren Energien sollen künftig die gleiche Rolle spielen wie die Kernenergie unter Charles de Gaulle in den 60er Jahren, verkündet Nicolas Sarkozy. Er schraubt die Ausbauziele massiv nach oben und bezeichnet die bisherige Begrenzung als Fehler. Die klimapolitischen Ziele bleiben bestehen und Umweltminister Jean-Louis Borloo und sein Staatssekretär, Chantal Jouanno im Amt. Die französischen Medien vermuten, dass der Erfolg der französischen Grünen einen großen Anteil an diesem Kurswechsel hat.

Frankreich ergrünt
Zwei Tage nach der überraschenden Erfolg der Liste "Europe Ecologie" von Daniel Cohn-Bendit bei den Wahlen zum Europäischen Parlament, hat Nicolas Sarkozy eine Wende zugunsten der erneuerbaren Energien angekündigt. Am Tag zuvor war klar geworden, wie sensationell das Ergebnis der französischen Grünen gewesen ist: Es fehlten mit 16,3% der Stimmen nur zwei Zehntel Prozentpunkte und sie hätten auch noch die abgestürzte Sozialistische Partei (PS, 16,5%) überholt. So hat sie sich nach vielen Jahren Marginalität als dritte Kraft hinter den beiden großen Parteien, der PS und der UMP von Nicolas Sarkozy (27,8%), in Frankreich etabliert.

Der Triumph ist auch ein ganz persönlicher Erfolg von Daniel Cohn-Bendit. Als überzeugter Europäer hat er in seiner politischen Laufbahn zwischen Frankreich und Deutschland immer wieder gewechselt. Zuerst außerparlamentarisch, nun schon viermal parlamentarisch: Zweimal ist er auf einer deutschen und nun ebenfalls zum zweiten Mal auf einer französischen Liste ins Europaparlament gewählt worden. Die französischen Grünen schicken insgesamt 14 Abgeordneten ins Europaparlament, genauso viele wie die französische Sozialdemokraten. In Paris schafften sie mit 27,5 Prozent den zweiten Platz. In 12 der 20 Hauptstadt-Arrondissements waren sie bei den Europawahlen die stärkste Liste.

Staat der Erneuerbaren Energien
Der Staatspräsident verkündete die neuen Ziele in der Energiepolitik bei einem Besuch des Nationalen Institut für Solarenergie in Savoyen. Er versuchte dabei den Eindruck zu vermitteln, dass dies keine völlig neuen, durch den Wahlausgang geprägte, sondern lange geplante Maßnahmen sind. Und selbstverständlich stellt dieser radikale Wechsel bisher nur im Projektnamen "EE-Staat Frankreich" den "Atomstaat Frankreich" in Frage. Die Blockade soll aufgehoben, neue Förderprogramme auf den Weg gebracht werden, um den Ausbau zu beschleunigen, auch um neue Arbeitsplätze zu schaffen.

Bildquelle: Dieter Schütz, pixelio.de

Donnerstag, 4. Juni 2009

FTD-Wahlempfehlung: Grün!

Die Financial Times Deutschland hat die Wahlprogramme der Parteien verglichen und kommt zum überraschenden Ergebnis: Wer sinnvolle Veränderungen vorantreiben will, sollte sein Kreuzchen diesmal bei den GRÜNEN machen. Sie seien die einzige Partei, die wirklich Ideen für Europa mitbringt. Wichtige positive Aspekte des für die FTD ausgefeiltesten Programms der GRÜNEN sind die Forderung nach einer echten europäischen Finanzaufsicht, die das nationale Aufsichtswesen ersetzt und der grüne "New Deal" ein, der Klimaschutz, durch die Auflage eines Konjunkturprogramm für ökologische Zukunftstechnologien erreichen will.

Für die FTD zählt die Europawahl zu einem der wichtigen politischen Termine des Jahres. Sie hat für ihre Wahlempfehlung besonderen Wert auf die Positionen der Parteien in zentralen europäischen Wirtschaftsthemen gelegt. Daher stellt sie ihr Bedauern darüber fest, dass die Programme der Volksparteien CDU und SPD in Teilen so banal sind wie die Werbeslogans auf ihren Kampagnenplakaten. Die beiden großen Parteien hätten auf die Frage, wie die Europäer ihre Wirtschaftspolitik in der Krise besser koordinieren können, keine Antwort. Da vermittle hingegen die FDP ein besseres Bild. Nur in der Türkeifrage laviere sie ebenfalls und die Spitzenkandidatin zeige nicht viel Substanz.
Die GRÜNEN geben sich bei Europas zentralen Zukunftsthemen als marktfreundlicher Innovationsmotor und dies gilt nicht nur beim Ausbau der Erneuerbarer Energien.

Hier finden Sie die FTD-Wahlempfehlung: Europawahl - Warum nicht grün? mit den vollständigen Kommmentaren zu den Wahlprogrammen der Parteien. Quelle: Financial Times Deutschland, 04.06.2009